Hier hilft keine Seife - DERMAPURGE schafft mehr Sicherheit bei der Arbeit mit Nanopartikeln

 Kosmetik, Waschpulver, Reifenindustrie oder Medizinprodukte – Nanopartikel finden sich in immer mehr Dingen des täglichen Lebens. Tausende Menschen in Laboren von Industrie und Wissenschaft arbeiten bereits tagtäglich mit den winzigen Teilchen. Doch neben ihren nützlichen Eigenschaften bergen Nanoteilchen gesundheitliche Risiken. Weniger als 100 Nanometer messen die winzigen Partikel. Dringen sie in den Körper ein, können sie je nach Art der Partikel z. B. die Verbreitung von Tumorzellen fördern oder Entzündungen hervorrufen. Langzeitfolgen sind bisher kaum erforscht. Trotz Schutzkleidung und wachsendem Bewusstsein für die Gefahren, kommt es immer wieder zu Unfällen mit Nanopartikeln und einer Verschmutzung der Haut. Eine Lösung hierfür hat das Team DermaPurge aus dem Leibniz-Institut für Polymerforschung Dresden e.V. (IPF) entwickelt: ein Kit zur Dekontamination von Nanopartikeln, das jeder Arbeitnehmer künftig unkompliziert, schnell und ohne fremde Hilfe anwenden kann.  
 Anlass, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, war ein Zwischenfall im Labor. »Als eine studentische Hilfskraft trotz Handschuhen und Schutzbrille Nanopartikel auf die Haut bekam, mussten wir feststellen, dass es kein spezielles Mittel zur Dekontamination gibt. Selbst der Giftnotruf wusste keine Hilfe«, erklärt Jonas Schubert, einer der Ideengeber von DermaPurge. Das Team fand heraus, dass gängige Produkte zur Dekontamination Nanopartikel nur unzureichend entfernen. Wasser und Seife führen zu einer Erweiterung der Hautporen und seien daher ungeeignet, so Schubert weiter. Das Problem ließ Max Schnepf und Jonas Schubert, die in der gleichen Arbeitsgruppe am IPF promovieren, nicht los. Während sich Schubert in seiner Doktorarbeit auf die Wirkung von Nanopartikeln mit Zellen und lebenden Organismen konzentriert, beschäftigt sich Schnepf mit der Interaktion von Nanopartikeln und Polymeren. 

Sie brachten ihr Fachwissen zusammen und machten die Innovation damit erst möglich. Sie entwickelten gemeinsam ein Produkt, das die Nanopartikel schnell und nahezu vollständig entfernt. Fachliche Unterstützung fanden die Wissenschaftler bei Professor Andreas Fery, Leiter des Instituts für Physikalische Chemie und Physik der Polymere. Da an seinem Institut mit Nanopartikeln gearbeitet wird, war es ihm von Beginn an wichtig die Arbeitssicherheit hier zu verbessern.
 Den ersten Schritt zum eigenen Startup machte das Team im LifeTechLab vom Start-up-Service dresden|exists, einem zwölfwöchigen InkubatorProgramm speziell für Ideen aus den Lebenswissenschaften. Hier feilten die Gründer weiter am Produkt, entwickelten ein erstes Geschäftsmodell und konnten sich mit Gleichgesinnten austauschen. Nun streben sie ein EXIST-Gründerstipendium an, das eine finanzielle Basis für die Gründungsphase schaffen soll. Gemeinsam mit dresden|exists haben die Gründer ihren Antrag für die Förderung des Bundeswirtschaftsministeriums auf den Weg gebracht. Zusammen mit Felix Klee, der das betriebswirtschaftliche Know-how in das Team einbringt, wollen sie nun zu Dritt die Gründung vorantreiben. 2020 planen sie ihr »ready-to-use«-Kit mit Testkunden zu optimieren, Vertriebskanäle zu etablieren und die Kooperation mit Berufsgenossenschaften aufzubauen. Antrieb für die vielfältigen Aufgaben, die vor dem Team stehen, bietet eine klare Vision: »Wir arbeiten darauf hin, unser DermaPurge-Kit künftig als standardisierte Erste-Hilfe-Lösung an jedem Arbeitsplatz, an dem mit Nanopartikeln gearbeitet oder geforscht wird, zu etablieren«, erklärt Schubert. »Darüber hinaus wollen wir das Produktportfolio schrittweise um weitere Produkte für die Reinigung der Haut im Arbeitsumfeld erweitern.«   

Frauke Posselt, in: Unijournal TU Dresden, 18/2019

Unser Team

Max Schnepf - Jonas Schubert - Felix Klee